Drei mathematische Werkzeuge, die deine Marketing-Entscheidungen wirklich verändern

Sättigungskurve, Causal Impact und Marginal Return, drei Werkzeuge, die zusammen ergeben, was klassische Reports nicht liefern können. Wir erklären jedes davon mit Bild und Beispiel.

Wenn wir gemeinsam akzeptiert haben, dass klassische Kennzahlen wie ROAS oder Last-Click nur die halbe Geschichte erzählen, stellt sich die Frage nach Alternativen. Wir brauchen keine Doktorarbeit in Statistik, um die richtigen Antworten zu bekommen, aber wir sollten drei Werkzeuge im Kopf haben, die unsere Marketing-Entscheidungen messbar verändern. Wir gehen sie heute der Reihe nach durch, mit Bildern statt Formeln und mit einem Beispiel aus der Praxis pro Werkzeug.

In drei Sätzen

  • 01Die Sättigungskurve sagt uns, ab wann mehr Budget keinen zusätzlichen Effekt mehr bringt.
  • 02Causal Impact rekonstruiert ein Was-wäre-wenn-Szenario und trennt Saison-Lift vom echten Kampagnen-Lift.
  • 03Marginal Return zeigt uns, wo der nächste Euro die größte Wirkung entfaltet, kanalübergreifend.

Werkzeug eins, die Sättigungskurve

Stellen wir uns vor, wir investieren tausend Euro in Google-Ads und bekommen daraus zehntausend Euro Umsatz. Wir verdoppeln das Budget auf zweitausend Euro und bekommen sechzehntausend Euro Umsatz. Wir vervierfachen auf viertausend Euro und kommen auf zweiundzwanzigtausend Euro. Der Umsatz steigt also, aber jeder zusätzliche Euro bringt weniger als der davor. Wenn wir das auf einem Diagramm aufzeichnen, sehen wir keine Gerade, sondern eine Kurve, die zuerst steil ansteigt und dann immer flacher wird. Diese Form heißt Sättigungskurve.

Warum ist diese Kurve so wichtig? Weil sie die häufigste lineare Fehlannahme widerlegt, dass mehr Budget proportional mehr Umsatz bringt. Die Sättigungskurve zeigt uns drei Bereiche. Im Steilbereich am Anfang bringen Erhöhungen viel, weil wir noch nicht alle kaufbereiten Zielgruppen erreicht haben. Im mittleren Bereich nähern wir uns dem Optimum. Im flachen Bereich am Ende kaufen wir nur noch Auktions-Inflation und doppelt belegte Klicks, die unsere Kunden sowieso geklickt hätten.

BudgetUmsatzSteilbereichjeder Euro bringt vielOptimum-ZoneSweet-Spot der AllokationSättigungzusätzliches Budget verpufft
Sättigungskurve mit drei Zonen. Links Steilanstieg, in der Mitte das Optimum, rechts der flache Bereich, in dem zusätzliches Budget kaum noch Wirkung erzeugt.

Praktisch heißt das, dass wir für jeden Kanal eine eigene Sättigungskurve schätzen sollten. Google-Search hat ein anderes Plateau als LinkedIn-Sponsored-Content. Erst wenn wir diese Kurven kennen, können wir entscheiden, ob wir besser zehn Prozent mehr Budget auf Google oder auf Meta umlenken. In Vectalyze schätzen wir die Kurve mit der Hill-Funktion und einem Verfahren namens Gauss-Newton-Optimierung, das aus euren historischen Datenpunkten die beste Anpassung sucht. Was nach Mathematik klingt, ist im Tool ein einziger Klick, und das Ergebnis ist eine konkrete Aussage, ab welchem Budget der ROAS auf diesem Kanal kippt.

Anwendungsbeispiel, ein B2B-SaaS mit drei Kanälen

Ein SaaS-Team verteilt sein Quartalsbudget gleichmäßig auf Google-Ads, LinkedIn und Bing. Die Sättigungs-Analyse zeigt, dass Google bei aktuellem Budget bereits zu siebzig Prozent ausgelastet ist und der nächste Euro nur noch wenig bringt. LinkedIn ist erst bei vierzig Prozent, Bing sogar nur bei zwanzig. Die Umverteilung von zehn Prozent des Google-Budgets zu LinkedIn und fünf Prozent zu Bing erhöht den Gesamt-Umsatz um geschätzte acht Prozent, ohne dass das Budget steigt. Das ist die Kraft einer sauber geschätzten Sättigungskurve.

Werkzeug zwei, Causal Impact

Das zweite Werkzeug beantwortet eine andere Frage. Die Sättigungskurve sagt uns, wo wir uns auf der Budget-Achse befinden. Causal Impact sagt uns, was eine konkrete Marketing-Aktion wirklich bewirkt hat. Das klingt nach derselben Frage, ist aber etwas anderes. Wenn wir einen Sale starten und der Umsatz steigt, wollen wir wissen, wie viel davon der Sale war und wie viel sowieso passiert wäre.

Wir können uns das wie ein verzögertes Foto-Negativ vorstellen. Wir haben das echte Foto nach der Kampagne. Aus der Pre-Kampagnen-Zeit bauen wir ein synthetisches Foto, das zeigt, wie die Welt ohne Kampagne ausgesehen hätte. Der Unterschied zwischen beiden ist das, was die Kampagne wirklich verändert hat.

ZeitConversion-RateKampagnen-Starttatsächlich beobachtetsynthetisches Vergleichs-Szenariokausaler Effekt
Causal-Impact-Analyse. Der durchgezogene Verlauf zeigt was wirklich passiert ist, der gestrichelte zeigt das geschätzte Was-wäre-wenn-Szenario. Die Fläche dazwischen ist der echte kausale Effekt.

Anwendungsbeispiel, Re-Branding-Lift

Ein D2C-Unternehmen launcht ein neues Brand-Design. Die Conversion-Rate steigt in den Wochen danach von 2,4 auf 3,1 Prozent. Klassischer Report, das Re-Branding war ein Erfolg. Causal-Impact-Analyse, das synthetische Vergleichs-Szenario hätte ohne Brand-Wechsel bei 2,8 Prozent gelegen, weil parallel ein saisonaler Lift und eine Display-Kampagne liefen. Der wahre kausale Beitrag des Re-Brandings ist also der Sprung von 2,8 auf 3,1 Prozent, nicht von 2,4 auf 3,1 Prozent. Ein nüchterneres Bild, aber ein ehrliches.

Eine Marketing-Maßnahme wirkt nicht im Vakuum. Causal Impact ist der ehrliche Vergleich gegen eine Welt, die ohne uns weitergelaufen wäre.

Werkzeug drei, Marginal Return

Das dritte Werkzeug ist die Brücke zwischen den ersten beiden und der konkreten Budget-Entscheidung. Marginal Return beantwortet die scheinbar simple Frage, wo bringt der nächste Euro die größte zusätzliche Wirkung.

Marginal Return ist deshalb so mächtig, weil sie eine fundamentale Regel der Allokation liefert. Ein Marketing-Budget ist optimal verteilt, wenn der marginale Ertrag in jedem Kanal gleich groß ist. Solange Kanal A noch dreißig Cent zusätzlichen Gewinn pro Euro liefert und Kanal B nur zehn Cent, gehört der nächste Euro zu Kanal A. Wir verschieben so lange Geld, bis die Steigungen sich angleichen.

BudgetUmsatzhoher Marginal Returnsinkender ReturnReturn nahe Null
Marginal Return entlang der Sättigungskurve. Im Steilbereich ist die Steigung hoch, sie sinkt mit jedem zusätzlichen Euro. Das mathematische Optimum liegt dort, wo die Steigung über alle Kanäle gleich ist.

Anwendungsbeispiel, Allokation über fünf Kanäle

Ein Mid-Market-Performance-Team hat ein Quartalsbudget von einer halben Million Euro, verteilt auf Google, Meta, LinkedIn, TikTok und Bing. Eine Marginal-Return-Analyse zeigt, dass TikTok bei aktuellem Spend dreißig Cent pro Euro liefert, Google nur zwölf, Meta achtzehn. Die Empfehlung, fünf Prozent Budget von Google zu TikTok und drei Prozent von LinkedIn zu Meta. Erwarteter Effekt auf den Gesamt-Umsatz, plus elf Prozent bei gleichbleibendem Budget. Wichtig dabei, das ist keine Vorhersage mit hundert Prozent Sicherheit, sondern eine fundierte Erwartung mit explizit ausgewiesener Konfidenz.

Wie die drei Werkzeuge zusammenspielen

Erst die Kombination macht das Ganze stark. Die Sättigungskurve sagt uns, wie ein einzelner Kanal auf Budget reagiert. Causal Impact sagt uns, ob die beobachteten Effekte wirklich unsere sind oder nur Saison-Beifahrer. Marginal Return sagt uns, wo der nächste Euro landen sollte.

Wenn wir nur die Sättigungskurve nutzen, riskieren wir, dass die geschätzte Wirkung eigentlich von einer Saison-Bewegung stammt. Wenn wir nur Causal Impact nutzen, kennen wir zwar die Wirkung der Vergangenheit, aber nicht die optimale Zukunft. Wenn wir nur Marginal Return nutzen, optimieren wir auf falsche Kurven. Die drei Werkzeuge zusammen ergeben ein konsistentes Bild, das uns sagt, wie wir handeln sollen und warum.

Im nächsten Beitrag heben wir die Perspektive eine Etage weiter. Wir zeigen, wie diese drei Werkzeuge in eine ganzheitliche Marketing-Strategie eingebettet werden, mit SWOT-Analyse, Goal-Tree und Jahresplanung. Erst dann wird aus dem mathematischen Handwerk eine echte Strategie.

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Häufige Fragen zum Thema

Die wichtigsten Nachfragen, die uns nach diesem Beitrag erreichen.

ROAS ist eine Quote zu einem bestimmten Spend-Punkt. Die Sättigungskurve ist eine Funktion über alle möglichen Spend-Punkte und zeigt, wie der ROAS sich mit steigendem Budget verändert. Wer nur den aktuellen ROAS kennt, weiß nicht, ob er sich am Anfang oder am Ende der Kurve befindet. Wer die Kurve kennt, kann fundiert entscheiden, ob er hoch- oder runterregeln sollte.
Als Faustregel mindestens drei Wochen Daten vor der Intervention und mindestens eine Woche danach. Saubere Ergebnisse bekommen wir mit acht bis zwölf Wochen Pre-Period und mindestens zwei Wochen Post-Period. Vectalyze warnt automatisch, wenn die Datenbasis nicht ausreicht, und zeigt die Konfidenz für jedes Ergebnis aus.
Ein A/B-Test teilt die Zielgruppe vorab in zwei Gruppen und vergleicht ihr Verhalten. Das ist der Goldstandard, aber im echten Marketing oft nicht machbar, weil wir die ganze Zielgruppe ansprechen. Causal Impact arbeitet rückwirkend, baut sich seine eigene synthetische Vergleichsgruppe aus historischen Daten und kommt damit auch dann zu validen Aussagen, wenn kein A/B-Setup möglich war.
Ja, wenn wir die Konvertierungs-Logik je Kanal sauber abbilden. Ein LinkedIn-Klick und ein Google-Search-Klick haben unterschiedliche Funnels, unterschiedliche Marge und unterschiedliche Conversion-Wahrscheinlichkeiten. Marginal Return rechnet das in den jeweiligen Profit pro Euro um, sodass am Ende vergleichbare Steigungen entstehen. Vectalyze nimmt die Branchen-Priors als Startwert und justiert mit den realen Datenpunkten.
Mindestens vierteljährlich, sinnvoller monatlich. Auktions-Inflation, neue Mitbewerber und Plattform-Änderungen verschieben die Kurven kontinuierlich. Tools wie Vectalyze aktualisieren die Schätzung automatisch mit jedem neuen Datenpunkt, mit einem bayesianischen Lern-Mechanismus, der frühere Schätzungen sanft mit neuen Daten verschmilzt statt sie komplett zu verwerfen.
Die Hill-Funktion ist eine S-Kurve mit drei Parametern, die maximale Höhe, der Halbsättigungs-Punkt und die Steilheit der Kurve. Sie passt sehr gut auf reale Marketing-Daten, weil sie nichtlineares Wachstum, Sättigung und ein klares Optimum in einer einzigen sauberen Funktion beschreibt. Sie wurde 1910 in der Pharmakologie für Enzym-Reaktionen entwickelt und ist seit den 1990ern in Marketing-Mix-Modellen Standard.
Genau für solche Effekte gibt es die multivariate Erweiterung der Modelle. Statt jeden Kanal isoliert zu modellieren, schätzen wir die Sättigungskurven gemeinsam und berücksichtigen Kreuz-Effekte. In Vectalyze ist das die Kannibalisierungs-Analyse, sie zeigt zum Beispiel, dass Google-Brand-Anzeigen zwanzig Prozent der organischen Suche kannibalisieren und der reine Mehrwert deshalb niedriger ist als der nominale ROAS.

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