Marketing-Controlling einführen, ohne einen Apparat zu bauen

Controlling heißt steuern, nicht kontrollieren. Die zwei Ebenen, die man trennen muss, die vier Instrumente, die wirklich tragen, und ein Einführungsplan, der nach vier Monaten noch läuft.

Marketing-Controlling klingt nach Konzernabteilung und Zielsystemen. In der Praxis geht es um etwas viel Einfacheres: dass jemand regelmäßig prüft, ob das Geld dorthin fließt, wo es wirkt, und dass diese Prüfung dieselbe Logik hat wie beim letzten Mal. Hier steht, wie man das in einem kleinen oder mittleren Unternehmen aufsetzt, ohne einen Apparat zu bauen.

In drei Sätzen

  • 01Controlling ist keine Kontrolle im Nachhinein, sondern eine Steuerungsschleife.
  • 02Strategisch und operativ sind zwei verschiedene Rhythmen mit verschiedenen Zahlen.
  • 03Der häufigste Fehler ist, zu viel gleichzeitig einzuführen und nach vier Monaten aufzugeben.

Was Controlling eigentlich heißt

Ziel setzenMessenVergleichenNachsteuern
Die Schleife hat vier Stationen. Fehlt eine, wird aus Steuerung eine Berichterstattung, die niemand mehr liest.

Die zwei Ebenen trennen

Operativ heißt kurzfristig und kanalnah: Läuft die Kampagne, stimmen die Kosten pro Ergebnis, funktioniert die Messung. Rhythmus wöchentlich, Zahlen aus den Werbekonten, dazu die Gegenprobe gegen den echten Umsatz, siehe Conversion-Tracking kaputt.

Strategisch heißt langfristig und geschäftsnah: Stimmt die Verteilung über die Kanäle, wächst der Kundenstamm, entwickelt sich die Marke. Rhythmus quartalsweise, Zahlen aus dem Geschäft und aus Modellen, nicht aus den Werbekonten. Der Kern davon steht in Werbewirkung messen.

Wer beides mischt, bekommt wöchentliche Diskussionen über strategische Fragen und quartalsweise Diskussionen über Klickpreise. Beides ist unproduktiv.

Die Instrumente, die wirklich zählen

Lehrbücher listen ein Dutzend. In der Praxis tragen vier. Ein Kennzahlensystem, das für jede Frage eine zuständige Zahl benennt, siehe Marketing-Kennzahlen im Überblick. Ein Soll-Ist-Vergleich mit vorher festgelegtem Sollwert. Eine Abweichungsanalyse, die zwischen Rauschen und echter Veränderung unterscheidet, siehe Konfidenzintervall. Und ein Berichtsformat, das immer gleich aussieht, siehe Einen Marketing-Report aufbauen.

Ohne vorher festgelegten Sollwert ist jeder Ist-Wert erklärbar. Genau deshalb fühlen sich Monatsberichte so oft folgenlos an.

Der Einführungsplan, der funktioniert

Monat 1: Eine einzige Gegenprobe einführen, gemeldete Conversions gegen echten Umsatz, wöchentlich, fünf Minuten. Sonst nichts. Monat 2 bis 3: Das Berichtsformat festlegen und zweimal durchziehen, ohne es zwischendurch zu ändern. Ab Monat 4: Sollwerte setzen, erst dann macht der Soll-Ist-Vergleich Sinn. Ab Monat 6: Die strategische Ebene dazunehmen, also Kanalbeiträge und Budget-Verteilung, siehe Marketing-Jahresbudget planen.

Woran es meistens scheitert

An drei Dingen. Zu viel auf einmal, weshalb nach vier Monaten niemand mehr die Zahlen pflegt. Kein Verantwortlicher, weshalb der Bericht entsteht, aber niemand daraus entscheidet. Und wechselnde Definitionen, weshalb Vergleiche über Zeit unmöglich werden. Die einfachste Gegenmaßnahme gegen den dritten Punkt ist eine kurze Liste, in der steht, wie jede Kennzahl gerechnet wird, und die geändert wird, wenn sich etwas ändert.

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Häufige Fragen zum Thema

Die wichtigsten Nachfragen, die uns nach diesem Beitrag erreichen.

Eine Steuerungsschleife aus Ziel setzen, messen, vergleichen und nachsteuern. Der Begriff stammt vom englischen "to control", also steuern, nicht kontrollieren. Es geht nicht um die nachträgliche Prüfung, ob jemand sich an Vorgaben gehalten hat, sondern darum, laufend zu erkennen, ob das Budget dort wirkt, wo es eingesetzt wird.
Das operative arbeitet kurzfristig und kanalnah, also wöchentlich mit Zahlen aus den Werbekonten und der Prüfung, ob die Messung funktioniert. Das strategische arbeitet langfristig und geschäftsnah, also quartalsweise mit Zahlen aus dem Geschäft und aus Modellen. Wer beides mischt, diskutiert wöchentlich Strategie und quartalsweise Klickpreise.
In der Praxis tragen vier: ein Kennzahlensystem, das für jede Frage eine zuständige Zahl benennt, ein Soll-Ist-Vergleich mit vorher festgelegtem Sollwert, eine Abweichungsanalyse, die Rauschen von echter Veränderung trennt, und ein Berichtsformat, das sich nicht ständig ändert. Alles Weitere aus den Lehrbuchlisten ist meist Zusatzaufwand ohne Zusatznutzen.
An zu viel auf einmal, an fehlender Zuständigkeit und an wechselnden Definitionen. Wer im ersten Monat ein ganzes System einführt, hat im vierten niemanden mehr, der die Zahlen pflegt. Sinnvoll ist, mit einer einzigen wöchentlichen Gegenprobe zu starten und erst danach Format, Sollwerte und die strategische Ebene zu ergänzen.

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