Marketing-Jahresbudget planen, in sieben Schritten

Vom Ziel rückwärts statt vom Vorjahr vorwärts. Die drei Töpfe, die man trennen muss, die einzige Verteilungsregel, die trägt, und warum ein voll verplantes Budget ein Jahr ohne Lenkung ist.

Die Jahresplanung ist der Moment, in dem die meisten Marketing-Budgets festgelegt und die wenigsten begründet werden. Meist wird das Vorjahr fortgeschrieben, ein paar Positionen werden verschoben, und die Diskussion dreht sich um Prozentpunkte statt um Wirkung. Hier ist ein Ablauf in sieben Schritten, der zu einer Zahl führt, die man verteidigen kann.

In drei Sätzen

  • 01Plane von der Zielgröße rückwärts, nicht vom Vorjahresbudget vorwärts.
  • 02Trenne Pflichtausgaben, wirkende Kanäle und Investitionen in die Zukunft.
  • 03Ein Reserve-Topf von zehn bis zwanzig Prozent ist kein Puffer, sondern die Handlungsfähigkeit.

Schritt 1: Die Zielgröße festlegen

Nicht "mehr Umsatz", sondern eine Zahl mit Einheit und Frist. Aus dem Umsatzziel folgt über den durchschnittlichen Auftragswert die Zahl der nötigen Abschlüsse, und daraus über die Abschlussquote die Zahl der nötigen Kontakte. Das ist die Kette, an der später jede Budgetposition hängt.

Schritt 2: Die Grenze festlegen, nicht das Budget

Bevor du Beträge verteilst, brauchst du die Obergrenze dessen, was ein Kunde kosten darf. Die folgt aus dem Deckungsbeitrag über die Kundenbeziehung, siehe Kundenwert berechnen und CAC und LTV. Diese Grenze ist die wichtigste Zahl der ganzen Planung, weil sie später jede Einzelentscheidung entscheidet.

Schritt 3: In drei Töpfe teilen

Der Sinn dieser Trennung: Nur der mittlere Topf gehört in die Optimierung. Wer Markenaufbau nach ROAS bewertet, streicht ihn zwangsläufig, siehe Brand-Equity messen.

PflichtgesetztWirkungnach Grenznutzen optimiertZukunftnach Fortschritt bewertetplus 10 bis 20 Prozent Reserve, bewusst unverteilt
Drei Töpfe, drei Bewertungslogiken. Nur der mittlere wird nach Grenznutzen optimiert. Der linke ist gesetzt, der rechte wird nach Fortschritt bewertet, nicht nach Rendite.

Schritt 4: Den Wirkungstopf verteilen

Hier gilt die einzige Regel, die wirklich trägt: Verteile so, dass der letzte Euro in jedem Kanal ungefähr gleich viel bringt. Das ist der Grenznutzen, und dafür brauchst du je Kanal eine Vorstellung vom Verlauf, siehe Sättigung. Der praktische Ablauf steht in Budget in 30 Minuten neu verteilen.

Schritt 5: Saison einplanen

Ein gleichmäßig über zwölf Monate verteiltes Budget ist fast immer falsch. Wo die Nachfrage schwankt, muss der Einsatz mitschwanken, und zwar mit Vorlauf, weil Werbung nachwirkt. Wie du die Spitzen planst, steht in Budget für die Saisonspitze planen und methodisch in Saisonalität sauber modellieren.

Schritt 6: Reserve zurückhalten

Zehn bis zwanzig Prozent bleiben unverteilt. Nicht als Angstpuffer, sondern als Handlungsfähigkeit: Wenn im April ein Kanal überraschend gut läuft oder ein Wettbewerber auffällig wird, willst du reagieren können, ohne einen Umwidmungsantrag zu schreiben. Ein vollständig verplantes Jahresbudget ist ein Jahr ohne Lenkung.

Ein Budget, das im Januar zu hundert Prozent verteilt ist, ist keine Planung. Es ist eine Vorhersage, dass sich nichts ändern wird.

Schritt 7: Überprüfungstermine festlegen

Setz vier feste Termine ins Jahr, an denen die Verteilung überprüft wird, und leg vorher fest, welche Zahl dabei entscheidet. Ohne diesen Vorabbeschluss wird jeder Termin zur Verhandlung. Sinnvoll ist auch, eine Prognose mit Spannbreite mitzuführen, siehe Marketing-Forecast-Methoden, damit Abweichungen früh auffallen. Was in den zugehörigen Bericht gehört, steht in Einen Marketing-Report aufbauen.

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Häufige Fragen zum Thema

Die wichtigsten Nachfragen, die uns nach diesem Beitrag erreichen.

Vom Ziel rückwärts. Aus dem Umsatzziel folgen über den durchschnittlichen Auftragswert die nötigen Abschlüsse und daraus über die Abschlussquote die nötigen Kontakte. Danach die Obergrenze je Kunde festlegen, das Budget in Pflicht, Wirkung und Zukunft aufteilen, den Wirkungstopf nach Grenznutzen verteilen und eine Reserve zurückhalten.
Weil die drei nach völlig verschiedenen Maßstäben bewertet werden. Pflichtausgaben laufen ohnehin weiter, wirkende Kanäle werden nach Grenznutzen optimiert, und Investitionen in die Zukunft bringen dieses Jahr nichts und nächstes viel. Wer alles in einen Topf wirft und nach Rendite bewertet, streicht zwangsläufig genau die Positionen, die langfristig tragen.
Zehn bis zwanzig Prozent des Budgets, bewusst unverteilt. Das ist kein Angstpuffer, sondern Handlungsfähigkeit. Wenn ein Kanal überraschend gut läuft oder ein Wettbewerber auffällig wird, kannst du reagieren, ohne bestehende Zusagen aufzubrechen. Ein zu hundert Prozent verplantes Jahr lässt sich nur noch verwalten, nicht mehr steuern.
Vier feste Termine im Jahr sind ein guter Rhythmus, und wichtig ist, vorher festzulegen, welche Kennzahl dabei entscheidet. Ohne diesen Vorabbeschluss wird jeder Termin zur Verhandlung, in der die überzeugendste Erzählung gewinnt und nicht die belastbarste Zahl.

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